DER ÖKO-TIPP Brennessel
Manchem Gartenbesitzer und Landwirt ist sie ein Dorn im Auge: die Brennnessel. Als besonders kräftige Pflanze gedeiht sie auf fast jedem Boden, siedelt sich wie von Zauberhand an Mauern und Hecken, gerne auch rund um den Komposthaufen und in jeder "vernachlässigten" Gartenecke an.
Heutzutage meist als lästiges "Un-Kraut" verpönt, galt die Brennnessel eins als wertvolle Nutzpflanze. Abgemäht und leicht angetrocknet wurde sie an Legehühner verfüttert. Die Pflanze sollte das Federvieh stärken und dem Eidotter eine kräftige Farbe verleihen. Während frische Brennnesseln von Rindern gemieden werden und allenfalls in getrockneter Form an sie verfüttert werden können, lassen sich Schweine von den Brennhaaren der Pflanze nicht abschrecken und fressen die frischen Gewächse. Bäuerliche Haushalte verwenden junge Brennnesselsprossen auch beim Bierbrauen, als Gemüse oder als Heilpflanze.
Wegen ihrem hohen Vitamin A-Gehalts und ihrer sonstigen, den Stoffwechsel günstig beeinflussenden Wirkstoffe wird die Pflanze in alten Rezept- und Küchenbüchern als in der Küche unverzichtbar bezeichnet. Für gefüllte Kartoffeln und grüne Torten, für Aufläufe sowie für die bekannte Frankfurter grüne Sosse wird sie wärmstens empfohlen. Darüber hinaus runden zarte Brennnesselspitzen auch Kräuterbutter, Salate, Sossen und Suppen geschmacklich ab.
Auch in der Volksheilkunde genoss die Brennnessel einen guten Ruf, der sich langsam aber stetig wieder beim uns in der Gesellschaft einbürgert. Ein Tee aus frisch gezupften Blättern gilt als Mittel zur Anregung des Stoffwechsels und Entschlackung. Ein Sud aus der Wurzel wird als wirksames Haarwasser bei Haarausfall geschätzt und als Antifett Shampoo erlebt die Brennnessel gerade in den letzten Jahren ein Comeback. Aus dem festen Basthaaren der Brennnesselstränge wurde früher feines Nesseltuch hergestellt, dem sogar magische Kräfte nachgesagt wurden.
Auch im Garten kann die besagte Pflanze einiges Leisten: Im Bereich des Pflanzenschutzes bietet die Brennnessel wirksamen Schutz bei Blattläusen (Brennnesseln mit Wasser ansetzen und höchstens zwei Tage ziehen lassen). Vergoren als Stickstoffdünger ist das Naturkraut im Biogarten unverzichtbar. Verdünnt mit Wasser im Verhältnis 1:10 ist sie ein kostenloser aber reichhaltiger Dünger.
Während der (Hobby)Gärtner dem Gewächs möglichst nur mit Handschuhen gegenübertritt, klettern die unterschiedlichsten Raupen und Insekten unbeeindruckt auf den Blättern und Stängeln der Brennnesseln herum und fressen sie mitsamt Ihrer Brennhaare ab. Für zahlreiche heimische Schmetterlinge ist sie eine überlebenswichtige Wirtspflanze: Sie dient ihren Raupen als Kinderstube und Futterpflanze.